Politisch korrektes Essen

Zigeunersauce hat nichts mit Roma und Sinti zu tun

Nach Unilever wollen auch Rewe, Homann und Werder ihre Saucen umbenennen. Der Hotel- und Gaststättenverband mahnt ebenfalls zu einer bedachten Sprache

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GERMAN PRESS GROUP

Die Nachricht aus der Zentrale der Rewe Group ist kurz und deutlich: „Unabhängig von der Entscheidung der Marke Knorr werden wir den Begriff Zigeunersauce bei unseren Eigenmarkenprodukten sowohl bei Rewe als auch bei Penny zukünftig nicht mehr verwenden und ersetzen“, teilt der Konzernsprecher mit. Über Details werde das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt informieren.

Rewe reagiert damit auf eine Debatte, die seit Sonntag für Schlagzeilen sorgt. Da hatte der Unilever-Konzern angekündigt, der Zigeunersauce seiner Marke Knorr einen anderen Namen zu geben. Der Grund: Der Begriff könne negativ interpretiert werden.

„Zigeuner“ ist eine alte Sammelbezeichnung für verschiedene Volksgruppen, die sich wohl von Indien aus vor allem über Südosteuropa verbreiteten. Die meisten Angehörigen der Minderheit fühlten sich von dem Begriff diskriminiert, heißt es beim Zentralrat der in Deutschland vor allem lebenden Volksgruppen Sinti und Roma.

Im Supermarkt-Regal findet man den Begriff allerdings noch häufig. Neben der Variante von Knorr finden sich immer noch mehr als ein halbes Dutzend Zigeunersaucen.

Schon bald könnte sich die Lage im Regal aber ändern. Nahezu alle Hersteller wollen ihre Saucen zeitnah umbenennen. „Es wird eine Änderung geben, aber wegen Corona hat sich das alles gezogen“, kündigt etwa der Werder-Geschäftsführer Tim Walter an. Einen neuen Namen habe man noch nicht. Aber die Entscheidung von Unilever sei richtig.

Ähnlich klingt das bei der Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der die Marke Homann gehört. Der Hersteller werde die Sorte beim nächsten Relaunch des Verpackungsdesigns auf passende Art und Weise umbenennen, teilte ein Sprecher mit. Mit der Bezeichnung beschäftige man sich schon seit geraumer Zeit, da die Diskussion zur veränderten Wahrnehmung traditioneller Begriffe regelmäßig wiederkehre.

Am Montag hat sich auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in die Debatte eingeschaltet. Der Verband spricht sich in Restaurants für eine bedachte Sprache aus. „Gute Gastfreundschaft ist geprägt durch eine respektvolle Beziehung zwischen Gastgeber und Gast. Dazu gehört natürlich auch die passende Wortwahl, die nicht verletzend und diskriminierend sein darf“, sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der Deutschen Presse-Agentur.

Sofern sich die Bewertung bestimmter Begriffe ändere, informiere der Verband die Branche stets darüber. „Es sollte allerdings die Entscheidung des Unternehmers sein, ob und wann er seine Speisekarte im Lichte gesellschaftlicher Debatten anpasst“, sagte Hartges.

In der Küchentechnik wird der Begriff „Zigeunersauce“ seit mehr als 100 Jahren verwendet. Im Nachschlagebuch für die klassische Küche von Escoffier ist er schon 1903 zu finden. Er bezeichnet eine würzige, scharfe Sauce mit stückigen Einlagen und wird heute in der Regel aus Tomaten hergestellt, häufig mit Paprika, Zwiebeln, Essig und Gewürzen. Traditionell verbindet der Verbraucher die Sauce mit der Geschmacksrichtung ungarisch und scharf.

Nach Angaben von Sinti und Roma entstammt die Sauce gar nicht ihrer Küche. Sinti und Roma wurden in der Vergangenheit mit dem Begriff "Zigeuner" diskriminiert.