Hintergrund

Die Dollar-Stärke steht vor dem Ende

Seit 2011 ist der Dollar um etwa 40 Prozent gestiegen. Aktuell schwächelte der Dollar. Seit seinem Jahreshöchstkurs Mitte März hat er über sechs Prozent im Vergleich zum Euro abgewertet

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US PRESS GROUP

Seit 2011 ist der Dollar im Vergleich zu den meisten anderen großen Währungen weltweit stetig gestiegen. Dieser Trend neigt sich dem Ende zu. Experte sind sich sicher: Sobald sich die Erholung der Weltwirtschaft als nachhaltig erweist, steht dem US-Dollar ein mehrjähriger Abwärtstrend bevor. Und: Der Dollar auf dem aktuellen Niveau ist überbewertet.

Seit 2011 ist der Dollar um etwa 40 Prozent gestiegen. Aktuell schwächelte der Dollar. Seit seinem Jahreshöchstkurs Mitte März hat er über sechs Prozent im Vergleich zum Euro abgewertet. Aus fundamentaler Sicht ist der Greenback mit einem Kurs von aktuell etwa 1,14 Dollar pro Euro hoch bewertet. Laut Berechnungen der Industrieländer-Organisation OECD ist der Euro gemessen an der Kaufkraft deutlich mehr, nämlich 1,40 Dollar wert.

Grund: Das Zinsniveau war in den USA höher als im Euro-Raum. Dieser Vorteil ist durch die Coronakrise weggefallen, weil die US-Notenbank Fed die Leitzinsen auf fast null gesenkt hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen hat den im Euro-Raum entscheidenden Einlagenzins auf dem bisherigen Niveau von minus 0,5 Prozent belassen. Der Zinsunterschied zwischen beiden Währungsräumen ist also deutlich geschrumpft.

Zum anderen profitierte der Dollar in der Krise von seinem Status als sicherer Anlagehafen. Wie sich der Dollar kurzfristig entwickelt, hängt vor allem von der allgemeinen Risikostimmung an den Märkten ab. Normalerweise steigt die US-Währung wegen ihres Status als sicherer Hafen in Phasen, in denen Investoren Risiken meiden. Die größte Sorge ist momentan, dass es zu einer zweiten Welle der Corona-Pandemie kommt.

Vor allem in den USA ist die Zahl der Neuinfektionen deutlich gestiegen. Die Gefahr einer zweiten Welle mit Schwerpunkt in den USA, steht in einer solchen Phase auch der Status des Dollars als sicherer Hafen infrage.

Analysten der Citigroup sagen dem Dollar für die zweite Jahreshälfte unruhige Zeiten voraus. Die Entwicklung werde geprägt sein durch eine langsame und uneinheitlich verlaufende globale Wirtschaftserholung. Zudem werde die Unterstützung der Märkte durch eine lockere Geldpolitik eine besondere Rolle spielen.

Einen Stimmungsumschwung zulasten des Dollars erwarten die Citi-Experten dann, wenn der globale Wirtschaftsaufschwung an Fahrt gewinnt. Signale dafür wären eine Erholung des Welthandels, eine Verringerung der Wachstumsunterschiede zwischen den USA und dem Rest der Welt und eine steilere Zinskurve in den USA. Letzteres würde heißen, dass die Renditeunterschiede zwischen kurzen und längerfristigen Anleihen größer werden.

Wenn sich die Weltwirtschaft normalisiert, würden wahrscheinlich alle diese Kriterien erfüllt. Dies könnte aus Sicht der Citigroup zu einer mehrere Jahre anhaltenden Abwertung des Dollars führen, bei der dieser auf handelsgewichteter Basis im zweistelligen Prozentbereich nachgeben könnte.

Mehr noch: Die nahenden US-Wahlen werden sich im Dollar-Kurs niederschlagen. Neben der Präsidentschaftswahl am 3. November stehen auch 35 der 100 Senatssitze zur Wahl. Aktuell liegt der demokratische Herausforderer Joe Biden in den Umfragen deutlich vor Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern.

Ein Erfolg Bidens und der Demokraten im Senat wäre schlecht für US-Aktien und den Dollar. Denn Biden könnte einen Teil der Steuersenkungen für Unternehmen zurücknehmen, die unter Trump verabschiedet wurden. Das würde die Gewinne der US-Konzerne und deren Aktienkurse belasten – und damit letztlich auch den Dollar. Wenn internationale Investoren Aktien außerhalb der USA bevorzugen, wertet die amerikanische Währung tendenziell ab.

Ein anderes wichtiges Thema im Wahlkampf ist das Verhältnis zu China. Der Handelsstreit beider Länder hatte 2019 die Märkte stark belastet und war Anfang des Jahres nur teilweise entschärft worden. Wegen des Streits über die Einschränkung der Autonomie Hongkongs wurde gerade ein neues Sanktionsgesetz gegen China unterzeichnet.

Konflikte zwischen den USA und China werden künftig zunehmen – egal wer bei den Wahlen gewinnt. Investoren werden Risiken stärker meiden.

Erwartet wird, dass Biden einen ähnlich kritischen Kurs gegenüber China einschlagen wird wie Trump. Sollte Joe Biden die Wahl gewinnen, wäre das Risiko geringer, dass es zu starken Kursausschlägen kommt.

Trump könnte zudem die Unabhängigkeit der Fed einschränken. In der Vergangenheit hat er immer wieder die Fed und deren Chef Jerome Powell angegriffen. Trump forderte vor allem Zinssenkungen und einen schwächeren Dollar. Zuletzt hielt er sich zurück. Die US-Notenbank hat als Reaktion auf die Coronakrise die Zinsen auf nahe null gesenkt und stützt die Wirtschaft durch massive Anleihekäufe.

Im Moment tut sie wegen der Pandemie was er schon vorher für sein Klientel gefordert hatte. Das kann sich schnell ändern. Sollte Trump im Amt bestätigt werden, könnte er über Personalentscheidungen direkten Einfluss auf die Fed nehmen. Der bisherige Fed-Chef Jerome Powell, dessen Amtszeit ein Jahr nach den Präsidentschaftswahlen endet, wäre dann Geschichte.

Die nahenden US-Wahlen werden auf vielerlei Art den Dollar beeinflussen – sowohl kurz- als auch langfristig. Insgesamt macht die hohe Bewertung ihn anfällig. Die Zeiten, in denen sein Kurs zum Euro extrem stabil war, scheinen vorbei.

Vieles spricht dafür, dass der Dollar in den kommenden Monaten wieder stärker schwanken wird.

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